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Hier kommen einige meiner Kurzgeschichten rein :D

 

Die Telefonnummer

 

Nach einen schwungvollen Abend in der New Yorker Szenedisco The Point ging Daniel noch allein ins Kino. So wie er es jeden Freitagabend machte. Keine Freundin die sich um ihn kümmerte und ruhige DVD-Abende in seinem Appartement veranstaltete, keine Streicheleinheiten im Mondlicht, einfach nichts.

 

Frustriert ging Daniel nach dem Horrorfilm noch auf die Toilette. Nichts machte ihn mehr glücklich. Sein so genanntes Leben war eine einzige Katastrophe. Doch er wollte nicht in Selbstmitleid versinken und zu einem seelischen Wrack werden. Also suchte er nach Ablenkung von seinem langweiligen Leben. Sein bestes Stück in der Hand und die Augen geschlossen stand er in der verdreckten Kabine der Toilette. Als er seine schweren Augen wieder öffnete sah er, wie etwas an der Wand geschrieben wurde. Eine Telefonnummer aus New York, wie er an der Vorwahl erkennen konnte. Während er seinen Hosenstall zumachte, dachte er nach. „Soll ich dort anrufen?“ sagte er sich und kratzte sich das Kinn nachdenklich. „Normalerweise schreibt ja kein hübsches Mädchen ihre Telefonnummer an Wände- schon gar nicht auf dem Herrenklo.“

 

Er stand schon am Waschbecken und betrachtete sein Spiegelbild. Wie sah er nur wieder aus? Einen Drei-Tage-Bart, Mittelscheitel und angezogen wie immer mit seiner Jeans, seinen All Star Chucks und dem schwarzen T-Shirt, was er sich noch damals in Los Angelas in Modern Man gekauft hat.

 

„Soll ich es tun?“ dachte der junge Mann nach. „Was ist, wenn es die Frau meines Lebens wäre? Die, die ich heiraten kann? Die, mit der ich eine kleine Familie Gründen kann? Aber was ist, wenn es nur eine blöde Schlampe ist, die ich nach 10 Minuten wieder vergesse? Oder im schlimmsten Fall: Was ist, wenn es ein Mann ist. Irgendein schwuler Biker, der nur auf diesen Weg seine Bettgefährten sucht?“

 

„Ein unmoralisches Angebot, diese doofe Telefonnummer.“ Sagte er sich. Kein anderer befand sich zu diesem späten Zeitpunkt noch im Kino. „Oder will sie, falls ein eine Frau ist, einfach nur ein bisschen Spaß haben. Ich bin zwar einer für den der Spaß im Vordergrund steht, aber ich will auch nicht in einem Meer nutzloser Muschis ersaufen.“

Daniel war in einer Falle. Wenn er dort angerufen hätte, wäre vielleicht nur irgendein perverser Kerl oder doch ein heißes Mädchen am Apparat. Oder alles war nur ein Test. Möglich war in dieser Situation alles.

 

„Scheiß drauf.“ Brüllte er in den leeren, weißen Raum und ließ seine schwere Hand auf das Waschbecken fallen. „Ich schreib’ mir die Nummer auf und rufe sie morgen an!“ Und das tat Daniel auch. Er nahm den kleinen Notizblock aus seiner rechten Hosentaschen, nahm den Kugelschreiber, auf dem nackte Frauen abgebildet waren, aus seinem Jarket und notierte sich die Nummer. Nur musste er hoffen, dass er seine eigene Schrift, Hieroglyphen könnte man sagen, wieder entziffern konnte. Um dieses Gekrakel lesen zu können, müsste man diese Schrift schon 10 Semester an der Havard Universität studiert haben.

 

Aus den donnernden Boxen seines alten Porsches dröhnten Songs von den Rolling Stones. Ein unvergessliches Geräusch war zu hören, wenn man in dem schwarzen Wagen saß. Die alte Musik und das Schnurren des Vehikels. You can’t always get what you want hört Daniel gerade als er einmal an seiner Zigarette zog. Und dies passte zu seinem Leben: Man kann nicht immer das haben, was man will. Der Song ist so fiktiv, aber dennoch so real.

 

Vor der Haustür angekommen schaltete der Rocker sein Radio aus, sitzt in seinem Porsche mit den hellbraunen Sportsitzen. Die Zigarre lag in seinem Mundwinkel, seine Augen fielen vor Müdigkeit beinahe zu.

 

In seinem Appartement lässt sich der 32jährige sofort in sein ungemachtes Bett fallen ohne noch einen Blick auf die unbekannte Telefonnummer zu werfen. Er träumte von seinem alten Leben in Los Angelas, der Stadt der Engel. Dort war er noch ein angesehener Filmproduzent. Er war erfolgreich, sowohl im Filmbusiness als auch privat. Mit seiner sexy Freundin Joana lebte er in einem schicken Häuschen am Strand von Venice. Jeden Abend machten sie Hand in Hand einen Spaziergang entlang des Wassers und genossen, wie die Wellen gegen ihre nackten Füße schlugen. Daniel machte Joana einen Heiratsantrag. Alles war so perfekt, die Hochzeit sollte am Strand stattfinden. Familie, Freunde, Bekannte und einige Schauspieler mit denen Daniel zusammenarbeitete sollten eingeladen werden. Eine Hochzeit wie sie im Bilderbuch steht sollte es werden Doch dann ging alles schief. Die stressigen Dreharbeiten eines Filmes machtes alles zu kaputt. Die monatelange Planung der wohl elegantesten Hochzeit der heutigen Zeit ist wie eine Luftblase geplatzt. Joana fühlte sich vernachlässigt von ihrem Verlobten. Sollte es so weitergehen? Sollte Daniel nur für ein Filmprojekt seine Familie für Monate im Stich lassen und sich nach den Dreharbeiten auf irgendwelchen Premieren aufhalten? Die gemeinsame Zeit der beiden Turteltäubchen war vorbei. Joana trennte sich von Daniel und zog zurück nach Miami zu ihren Eltern. Und Daniel hatte genug von Los Angelas. Warum war diese Stadt nur so scharf darauf, die weibliche Bevölkerung zu zerstören? Und wieso hat Daniel sich von dem Erfolg der Filmwirtschaft so in Versuchung führen lassen und deswegen seine Verlobte so im Stich gelassen? Er hat alles verbaut, was er sich je erarbeitet hatte. Keinen Job. Keine Freundin. Er wollte so gerne zurück in die Beziehung mit Joana, doch der Zug war längst schon abgefahren.  Es war die aller schönste Zeit, das hätte man Daniel sagen müssen. Er hätte sich mehr für seine Beziehung einsetzen müssen, doch dies wurde ihm erst im Nachhinein klar.

 

Ein neuer Tag, ein neues Leben. Von wegen! Alles war genauso wie vorher. Anstatt einen warmen Kaffee zu genießen schüttete sich Daniel Whisky in seinen Teebecher. Er wühlte in seinem Jarket nach dem Notizzettel mit der Telefonnummer herum. Und dort war er. Zwar zerknittert und ein wenig gerissen, aber wen kümmerte dies schon?

 

Mit dem halbgeöffneten Hemd saß er am Küchentisch. Der Zettel lag auf dem Haufen Zeitungsberichte und Prospekten. Das Telefon hatte er in seiner rechten Hand. Daniel zögerte dort anzurufen. Aber warum? Auch, wenn dort ein Mann ist, könnte er einfach auflegen und sein Leben weiterführen ohne als Schwuchtel beleidigt zu werden. Schon seit einer Stunde saß er dort scheinbar regelungslos mit dem Telefon in der Hand.

 

„Ach, was soll’s.“ sagte er leise und wählte die Nummer. Seine Finger zitterten vor Nervosität. Sonst war Daniel nie so eine Mimose, die sich in der Disco nicht traute ein Mädchen auf einen Drink oder ein heißes Tänzchen einzuladen. Aber diesmal war es anders- vielleicht weil er nicht wusste, wer am anderen Ende der Leitung war…

 

Das Tutgeräusch machte Daniel beinahe verrückt. Mit seinen zotteligen Haaren spielte er während der Wartezeit herum. Er hörte, wie jemand den Hörer abgenommen hatte. Voller Aufregung wartete er auf eine Reaktion seines Gesprächspartners.

 

„Hallo. sagte eine alte, weibliche Stimme. „Ayln McJohnson am Apparat.“

„Mama?“ fragte Daniel unglaubwürdig. Sein Kinn schien bis in den Keller zu hängen. „Bist zu das?“

„Oh, hallo Daniel. Wie komme ich zu der Ehre, mal von dir, meinen eigenen Sohn, angerufen zu werden?“ wollte sie mit kalter Stimme wissen.

„Du… deine… ich… wollte fragen ob wir nicht bald mal zusammen essen gehen wollen.“ lügte er sie an. Hätte er seiner Mutter die Wahrheit erzählt, dass er die Telefonnummer nur an einer Wand gefunden hat und auch nur ein Weib flachlegen möchte, wäre sie ausgetickt. Dennoch bleibt die Frage: Wie kommt die Telefonnummer von Daniels Mutter an eine schäbige Wand einer Herrentoilette?

 

Hell-A Oldie

Um 8 Uhr morgens stehen die meisten der Heimbewohner aus ihren Höhlen auf. Daraufhin vollzieht das Pflegerteam die tägliche Waschung. Damit die Leute nicht nackt durch die Gegend rennen müssen, werden sie mühevoll angezogen. Danach geht es zur allmorgendlichen Nahrungsaufnahme. Nachdem dieser eklige Fraß, unter dem Decknamen „Essen“, in den Magen befördert wurde geht es zu dem gemeinsamen Schweigen ins Aufenthaltsraum. Begleitet wird dies durch die grausige Tonabfolge die dem Funkwellenempfänger entspricht. Spaßige Momente sind dabei die Ausnahme. Während die Langeweile kein Ende nimmt beginnt die Arbeit des fluchenden Sauberkommandos. Kaum hat sich der Magen vom skandalösen vor-brunch-zeitigem Mahl erholt, wird schon das nächste Attentat auf ihn ausgeübt. Nach dem 30-minütigen Akt des Terrors folgt die nächste Phase des Friedens. Dies wird stündlich durch den Schrei der annährenden, sich im göttlichen Wohnzimmer befindenden Glocken unterbrochen. Sobald der tickende Kreis an der Wand 15 Uhr anzeigt, stürzen sich die Oldies voller Freude auf die Kombination aus kalorienreichem Gebäck und der Koffeinspritze Kaffee. Wenn dieses Ritual beendet ist kehrt die Totenstille zurück. Nach etwa 2 Stunden Rumlungern werden die Senioren wieder eingefangen und zur neuen Nahrungsaufnahme gezwungen. Wenn dies überlebt wird, bleibt noch die Zeit bis zur Energierückgewinnung. In der Zeit wird ein fünftklassiges Buch von irgendeinem Hinterweltler-Schriftsteller verschlungen und dabei werden die Stinkemauken auf dem Furzsessel hochgelegt. Kurz vor Ende des Buches wird die Schundliteratur von den Pflegern entsorgt und die Alten werden für die Nacht in ihre Höhlen eingesperrt. Während sie versuchen die Energierückgewinnung zu starten, werden sie dabei von dem Ruf der unruhigen Seelen der vorzeitigen Zimmerbewohner wach gehalten. Und so geht ein normal ereignisloser Tag im Leben eines alten Folterzentrumsinsassen zu Ende.




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